Zusammen mit dem Museum Burg Zug hat Claudio Leibacher ein besonders beeindruckendes Projekt realisiert, das zeigt, wie alte Traditionen durch moderne Handwerkskunst lebendig bleiben. Im Zentrum steht ein einzigartiger Holzmodel aus dem Jahr 1742, der zur Herstellung von Lebkuchen mit den Familienwappen der Zuger Räte, des Zuger Stadtwappens und des Reichswappens diente. Dieser Model hatte einst symbolische Bedeutung: Das gemodelte Gebäck wurde als prestigeträchtiges Geschenk der Stadt Zug überreicht.
Diesen Model galt es detailgetreu nachzuschnitzen und eine Replik herzustellen, damit Besucher*innen das Kunstwerk auch aus der Nähe bestaunen kiönnen.

Die historische Bedeutung des Models
Solche feingeschnittenen Model waren im 17. und 18. Jahrhundert nicht nur Backwerkzeuge, sondern auch Ausdruck von Repräsentation, Status und Brauchtum. Ursprünglich stammen diese Formen aus der klösterlichen Backtradition und wurden bei der Herstellung von Anisbrot, Marzipanauflagen und Tirggel verwendet. In Zug ist der Model zudem mit einem bekannten lokalen Brauch verknüpft: Alljährlich wurden Lebkuchen mit solchen Modellen verziert und zu Neujahr an den Stadtrat und Geistliche verschenkt, um sich für deren Schutz und Schirmherrschaft zu bedanken. So belegt ein Lebkuchenstreit von 1737 zwischen der Äbtissin des Klosters Frauenthal und dem Kleinen Rat von Zug, wie bedeutend diese Tradition war: Der Kleine Rat reklamierte bei der Äbtissin Kunigunde Brandenberg, der Lebkuchen sei zu klein ausgefallen.
Der Model von 1742 zeigt die Familienwappen der 13 Mitglieder des Kleinen Rats sowie von Gross- und Unterweibel und dem Stadtschreiber. Viele dieser Familien gehörten den Zuger Korporationsgeschlechtern an, deren Wurzeln bis in die Zeit der alemannischen Landnahme reichen. Auch das Stadtwappen sowie das Reichswappen sind Teil der Gestaltung. Das Original wurde vom Zuger Konditor Xaver Stadlin an das Museum Burg Zug verkauft.
Die Herausforderung: Ein Unikat in Perfektion nachbilden
Die Aufgabe war anspruchsvoll: Der historische Originalmodel sollte detailgetreu kopiert werden, um ihn für die museumspädagogische Arbeit einzusetzen. Claudio nahm diese Herausforderung an.

Zehn Tage dauerte es, bis Claudio Leibacher den neuen Model in akribischer Handarbeit in Birnbaumholz geschnitzt hatte– eine Meisterleistung.

Ein neues Leben für ein altes Kunstwerk
Nach der Fertigstellung der Replik kehrte der Originalmodel ins Museum Burg Zug zurück. Dort bleibt es gut geschützt im Depot und wird bei passender Gelegenheit ausgestellt. Die von Claudio geschnitzte Replik dient der Museumspädagogik dazu, Besucherinnen und Besuchern und auch Schulklassen die historische Bedeutung des Sammlungsobjekts und das Handwerk haptisch näherzubringen.
Ein detailgetreuer Abguss zur Biber-Produktion hat hingegen seinen Platz in der Leibacher Biber-Manufaktur gefunden. Dort wird er nicht nur bewundert, sondern auch aktiv genutzt, um den Zauber dieses kunstvollen Models weiterzutragen – bereit, zukünftige Bestellungen mit Geschichte zu bereichern.



